Aus der Praxis: das Piriformissyndrom

Schmerzen, die vom untersten Rücken in das Gesäß und in ein Bein ziehen, ähnlich einem Hexenschuss. Dabei ist der Rücken aber kaum in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Das sind die typischen Symptome eines Piriformissyndroms.
Dabei findet sich die Ursache des Problems nicht wie beim Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule, sondern im Gesäß. Die Auswirkung ist aber fast die gleiche, nämlich ein Druck auf den Ischiasnerv, den längsten und dicksten Nerven im menschlichen Körper.

Dabei drückt der verhärtete birnenförmige Muskel (Musculus piriformis) auf den darunter liegenden Ischiasnerven. Oft sind auch die anderen Gesäßmuskeln verhärtet, in ihrer Funktion eingeschränkt und druckschmerzhaft.

Anatomie der kleinen Gesäßmuskeln

Auslöser des Piriformissyndroms sind

  • ungewohnt langes Gehen
  • ungewohnt langes oder intensives Lauftraining oder Lauftraining mit neuen Schuhen
  • langes Sitzen, sitzen mit überkreuzten Beinen, sitzen mit der Geldbörse in der Gesäßtasche
  • ein verändertes oder humpelndes Gangbild durch Schmerzen an anderen Muskeln oder Gelenken

Selbsthilfe

Schon mit einfachen Maßnahmen und Hausmitteln kannst du dir selbst die Schmerzen erleichtern.

  • Wärme, zum Beispiel mit der Wärmeflasche, einem Kirschkernkissen, lockert verspannte und verkrampfte Muskulatur.
  • Indem du einen Tennisball oder Igelball zwischen dein Gesäß und eine Wand klemmst und das Gesäß hin und her bewegst, kannst du dich dort selbst massieren. Die Intensität kannst du dosieren, indem du das Gesäß mehr oder weniger stark gegen die Wand drückst.
    Ähnlich funktioniert diese Übung auch mit einem Ball oder einer Faszienrolle im Liegen bzw. im Stütz auf deiner (Yoga)Matte.
  • Die Geldbörse nicht in der Gesäßtasche der Jeans aufbewahren, zumindest nicht beim Sitzen oder Auto fahren
  • Sportler: Lauftraining langsam steigern. Neue Schuhe zuerst einige Tage im Alltag tragen, damit sich der Körper daran gewöhnt, erst dann im Training verwenden.
  • Regelmäßig dehnen und dabei das Gesäß nicht vergessen.

Therapeutisches Yoga bei Piriformissyndrom

Das therapeutische Yoga bietet verschieden Möglichkeiten, gezielt die Gesäßmuskulatur zu dehnen, aber auch lokal und generell Muskulatur zu entspannen.

Entspannung geschieht unter anderem durch Atmung. Durch die gezielte Atemlenkung in die schmerzhafte Körperregion kannst du die Muskel(ver)spannung senken.

Als Dehnübung zwischendurch kannst du dein betroffenes Bein mit abgewinkeltem Knie und nach innen gedrehtem Fuß und Unterschenkel auf einen Tisch legen.

Dehnübung am Tisch

Auf der Yogamatte legst du dich auf den Rücken, stellst zuerst beide Füße auf und legst dann den nach innen gedrehten Fuß der betroffenen Seite auf das andere Knie. Wenn diese Position bereits ein Dehngefühl in deinem Gesäß auslöst, bleib so in dieser Position für einige tiefe Atemzüge liegen und gehe erst nach einigen Übungstagen weiter. Dazu ziehst du dann das Knie der nicht betroffenen Seite Richtung Bauch. Wie weit ist abhängig von deinem Dehngefühl. Es darf eine intensive Dehnung im Gesäß entstehen, aber kein Schmerz bzw. keine Schmerzverstärkung. Vergiss nicht, anschließend auch die andere Seite zu dehnen.

 Foto folgt….

Im Krokodil oder Nakara Asana kannst du nicht nur deine Gesäßmuskeln sondern auch den unteren Rücken und den seitlichen Oberschenkel dehnen. Die Anleitung dazu findest du hier: Entspannung für den Rücken

Fortgeschrittenere Yogis können auch die liegende Taube als Dehnübung für den Piriformismuskel nutzen. Wie du aus dem nach unten schauenden Hund in Kapotasana kommst, kannst du im Video sehen.

Bitte denk daran, dass alle diese Übungen Anleitungen zur Selbsthilfe bei bereits ärztlich sicher diagnostiziertem Piriformissyndrom sind. Sie dürfen keinerlei Schmerzen verursachen bzw. verstärken. Solltest du dir nicht sicher sein, woher deine Beschwerden kommen, such bitte einen Arzt (m/w) auf. Zum korrekten Erlernen der Übungen, insbesondere der Taube, wende dich bitte an deine Yogalehrerin oder-Therapeutin (m/w).

Dieser Arkel ist  der Start einer neuen Serie. Aus der Praxis soll eine Sammlung von Tips, Tricks und Yogaübungen gegen häufige Beschwerden am Bewegungsapparat werden. Ich würde mich über Dein Feedback freuen, welche  Themen Du in dieser Serie lesen möchtest.

Viel Freude auf der Matte wünscht Dir
Marion

3 Antworten auf „Aus der Praxis: das Piriformissyndrom“

  1. Hallo Marion,
    Vielen Dank für die tollen Tipps. Ich bin immer wieder mal auf der Suche und freue mich wenn ich aus dem Erfahrungsschatz anderer mich bereichern kann.
    Solche Beschwerden hat sicher jeder schon mal erlebt und mit kleinen dehnübungen kann man da wirklich einiges machen. Bitte mach weiter.

  2. Liebe Marion,
    vielen Dank für diesen ausführlichen und gut verständlichen Bericht über den Piriformis. Freue mich auf weitere…

  3. Super Artikel, vielen Dank, liebe Marion!
    Ich bin selber auch immer wieder von Ischialgien durch Piriformis-Syndrom geplagt. Ich schließe seither fast jede Yogaeinheit mit einem Piriformis-Stretch ab: in Rückenlage mit aufgestellten Beinen den linken Knöchel geflext aufs rechte Knie legen, wie eine liegende 4. Das rechte Bein dann in der Kniekehle oder am Knie greifen und in Richtung Brust heranziehen, um die tiefliegende Gluteusmuskulatur zu dehnen. Dann Seite wechseln.
    Außerdem mache ich sämtliche Vorbeugen nur mit gebeugten Beinen, v.a. Paschimottanasana.
    Hilft bei mir sehr gut. 🙂

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