How to: Sitzen in der Meditation

Sthira sukham asanam – die Körperhaltung soll fest und angenehm sein. Patanjali Yoga Sutra 2.46

Eines der häufigsten Probleme, die in der Meditation auftreten können und die dazu führen, dass Menschen nicht oder nicht so oft oder so lange meditieren wie sie eigentlich möchten, sind Probleme beim Sitzen.

Einerseits hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Meditation nur im Lotussitz möglich wäre. Andererseits treten auch in anderen Sitzvarianten immer wieder Beschwerden auf.

Die 3 häufigsten, und für die meisten Menschen auch passendsten Arten zu sitzen, abgesehen vom Lotussitz, sind der kreuzbeinige Sitz oder Schneidersitz, der Fersensitz und das Sitzen auf einem Stuhl. 

Der kreuzbeinige Meditationssitz

Setz dich auf den Rand deines Meditationskissens, so, dass es eine Art Keil unter deinen Sitzbeinhöckern bildet. Dazu eignet sich ein eher flaches Kissen besser als ein höheres. Dann leg die Beine in den Schneidersitz. Die Knie sollten sich dabei am Boden befinden, zumindest näher am Boden als Hüften und Becken. Dazu benötigst du aber sehr flexible Hüften. Sollten diese aber noch nicht so beweglich sein, kannst du 2 weitere Pölster unter die Knie legen. 

Wichtig ist jedenfalls, dass die Knie nicht in der Luft „hängen“, sondern stabile, symmetrische Unterstützung finden. Nur so können die Muskeln der Oberschenkelinnenseite (Adduktoren) und im Gesäß wirklich los lassen und entspannen. Wenn diese Muskeln verspannen, ist das eine der Hauptursachen der berühmten Sitzprobleme. Schmerzen in den Hüften, in den Knien und im unteren Rücken können eine Folge davon sein.

Wenn du dich auf ein dickes, hohes Kissen wie auf einen Stuhl, mit dem gesamten Gesäß, drauf setzt, kann sich dein Becken nicht nach vorne kippen sondern bleibt gerade oder kippt sogar nach hinten. Das führt dann dazu, dass sich die Wirbelsäule nicht gut oder gar nicht aufrichten kann. Ein runder Rücken und in weiterer Folge auch Rückenschmerzen können dadurch entstehen. 

Der Fersensitz 

Dafür kniest du dich hin und setzt dein Gesäß auf die Fersen. Du kannst auch ein Kissen zwischen deinen Unterschenkeln auf den Boden legen und dein Gesäß darauf setzen. Das ist das Einsatzgebiet der hohen, dicken Kissen. Denn je höher das Gesäß ist, desto weniger Belastung ist auf den Knien. Auch eine weiche Unterlage schont die Knie.

Insgesamt ist diese Art zu sitzen deutlich unkomplizierter als der kreuzbeinige Sitz. Der Fersensitz ist auch für Personen mit Hüftendoprothesen geeignet. Wenn deine Hüftbeugemuskeln verkürzt sind, kann das aber dazu führen, dass du beim Sitzen ins Hohlkreuz kommst. Außerdem benötigst du für einen angenehmen Fersensitz mehr Beweglichkeit, insbesondere Streckung, in den Sprunggelenken und kleinen Fußgelenken.

 Sitzen am Stuhl

Das Sitzen auf einem Sessel gehört zu unserem Alltag und braucht wohl keine große Erklärung. Auch für die Meditation ist diese Art zu sitzen geeignet, wenn körperliche Beschwerden verhindern, dass du bequem am Boden sitzen kannst oder die Umgebung nicht gut zum Sitzen am Boden geeignet ist (Büro, Flugzeug, schmutziger Boden…). 

Möchtest du am Sessel meditieren, solltest du aufrecht sitzen, möglichst ohne dich anzulehnen. Außerdem sollten deine Füße stabil den Boden berühren.

 Als gesunder Mensch ohne wesentliche Beeinträchtigungen ist es optimal, zwischen allen Arten zu sitzen abzuwechseln. Auch wenn dir eine Haltung besonders unbequem vorkommt, übe sie immer wieder, das fördert die Flexibilität deiner Muskeln und Gelenke, aber auch des Gehirns. 

Meditationssitz bei körperlichen Einschränkungen 

 Solltest du Probleme oder Schmerzen am Bewegungsapparats haben, gilt, dass die Sitzform, die dir am wenigsten Probleme bereitet, die du über 10 oder 20 Minuten oder länger beibehalten kannst, die beste ist. Denn das Sitzen ist nur ein Mittel zum Zweck und die klassischen Haltungen sind eben nicht immer die besten. Meditieren kannst du natürlich auch mit gestreckten Beinen, im Liegen oder in anderen Sitzpositionen, die deinem Körper besser entsprechen. 

Generell spricht nichts dagegen, ebenfalls immer wieder mit anderen Haltungen zu experimentieren. 

 In bestimmten Situationen gibt es aber Haltungen, die du besser gar nicht einnehmen solltest. Zum Beispiel ist der kreuzbeinige Sitz in den ersten 6 Monaten nach Implantation einer Hüftendoprothese nicht empfehlenswert. danach solltest du mit deinem Operateur besprechen, ob der Schneidersitz nach Abschluss der Heilungsphase sinnvoll ist. Das hängt nämlich auch vom verwendeten Implantat und der Operationstechnik ab. 

Der Fersensitz kann die Kniegelenke belasten, wenn sie dabei sehr stark gebeugt werden und weil viel Gewicht auf der Patellasehne lastet. Der kreuzbeinige Sitz belastet die Knie durch die dabei notwendige Drehbewegung. Deshalb ist es schwer, pauschal im Internet Ratschläge für die Kniegelenke zu geben. Im Fersensitz ist es auf jeden Fall sinnvoll, ein dickes Kissen, oder vielleicht sogar 2 zu verwenden, im Schneidersitz sollten die Knie gut mit Pölstern unterlegt werden. Klötze gehen grundsätzlich auch, kleine Kissen haben aber keine Kanten und sind bequemer, besonders bei längeren Meditationen. 

 In den nächsten Tagen folgt ein Artikel mit Übungen, wie du die Beweglichkeit der Hüften trainieren kannst und so leichter eine angenehme Sitzposition findest.

 Aber denk daran, der schönste, klassischste Sitz macht dich nicht zu einem besseren Yogi. Zum Yogi macht dich die Übung, der Asanas und der Meditation, aber auch der Yamas und Niyamas.

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