Kapalabhati

Kapalabhati ist eine yogische Atemübung oder Pranayama. Außerdem wird Kapalabhati in den alten Schriften des Yoga, insbesondere in der Hatha Yoga Pradipika, als Reinigungsübung beschrieben. Direkt übersetzt heißt Kapalabhati „scheinender Schädel“, im deutschen Sprachgebrauch wird die Übung oft auch Schnellatmung oder Feueratem genannt.
In der Tradition nach Swami Sivananda wird Kapalabhati normalerweise zu Beginn einer Yogastunde, nach der Anfangsentspannung und dem Mantra, geübt.

Ausführung

Beim Kapalabhati sitzt du aufrecht, wenn es für dich bequem möglich ist in einem Sitz mit gekreuzten Beinen (Schneidersitz, halber Lotus, Lotussitz). Du kannst Kapalabhati aber auch im Fersensitz oder auf einem Stuhl sitzend üben. Dabei schließt du die Augen und atmest für einige Atemzüge ruhig und tief in den Bauch. Wenn sich deine Gedanken dadurch etwas beruhigt haben, beginnst du mit der eigentlichen Übung.
Atme sehr schnell aus und ziehe dabei die Bauchdecke nach innen. Dann lass den Bauch locker und die Einatmung automatisch geschehen. Die Einatmung sollte ungefähr doppelt so lange dauern wie die Ausatmung. Wiederhole diese raschen Ausatmung ca. 20 bis 100 Mal. Dann atme 1 oder 2 Atemzüge normal ein und aus. Dann atme entspannt ein, fülle die Lungen zu ca. 3/4 mit Luft und halte den Atem für ca. 20 bis 120 sec an, so lange es sich für dich gut anfühlt. Konzentriere dich dabei auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Bleibe dabei entspannt und versuche auf keinen Fall, die Luft krampfhaft anzuhalten. Achte auch darauf, dass die nun folgende Aus- und Einatmung noch entspannt möglich ist und kein „japsen nach Luft“ wird. Atme 3-4x entspannt ein und aus bevor du die Atemübung wiederholst.
Wenn du die Übung erlernst, beschränke dich auf weniger Ausatmungen und Wiederholungen und atme langsamer. Genauso, falls du während der Übung ein Schwindelgefühl bemerken solltest. Darüber, ob du Kapalabhati in der Schwangerschaft üben oder besser vermeiden solltest, existieren unterschiedliche Meinungen. Auf jeden Fall solltest du während der Schwangerschaft das Luftanhalten und intensive Anspannung der Bauchdecke meiden. 
Lüfte den Raum in dem du übst vorher gut durch oder übe bei offenem Fenster oder im Freien. 

Wirkungen

Der Name „scheinender Schädel“ entstammt vermutlich dem Schwindelgefühl, das durch den verringerten CO2- Gehalt im Blut entstehen kann.
Im Ayurveda heisst es, dass durch diese vermehrte Ausatmung von CO2 zu einer Entwässerung und zum Abbau von Ama, den Abfallprodukten des Stoffwechsels kommt.
Durch die vertiefte Einatmung wird dem Körper mehr Sauerstoff zugeführt, was die Konzentrationsfähigkeit verbessert und das Anhalten der Luft im weiteren Verlauf der Übung erleichtert. Die vermehrte Sauerstoffzufuhr hilft auch gegen geistige Müdigkeit und Niedergeschlagenheit.
Die Betonung der Ausatmung beruhigt den Geist und ist dadurch eine Vorübung zur Asanapraxis und zur Meditation.
Die Konzentration auf die Atmung, insbesondere die Ausatmung, ist auch eine Möglichkeit, Stress und Reizüberflutung abzubauen.
Auf der körperlichen Ebene trainiert Kapalabhati die Atemmuskulatur und Atemhilfsmuskulatur. Durch die schnelle Atmung wird die Schleimhaut der Nase und der Nebenhöhlen gereinigt und die Nebenhöhlen besser belüftet. Dadurch gilt Kapalabhati auch als gutes Mittel gegen eine verstopfte Nase bei Erkältung, Sinusitis oder Heuschnupfen.

Aller Anfang ist schwer und mühselig, das gilt auch für Pranayama und Kapalabhati. Aber mit ein wenig Übung wirst du die positiven Wirkungen dieser Übung bald bemerken.

xoxo Marion

Bildquelle: Shutterstock

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