Yoga in der Wissenschaft

Weil ich tagtäglich die vielfältigen positiven Wirkungen von Yoga an meinen PatientInnen erlebe, interessiert es mich auch sehr, warum das so ist. Genauso wie bei anderen Behandlungen versuchen Wissenschaftler auch die Wirkung von Yoga auf den menschlichen Körper zu erforschen und nachzuweisen.

Yoga in der Forschung

Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird Yoga auch in der westlichen Welt wissenschaftlich erforscht. Sowohl medizinische, als auch psychologische, theologische oder soziologische Studien wurden bereits durchgeführt, um das Phänomen Yoga zu ergründen.
Hier soll es naturgemäß vor allem um Yoga in der medizinischen Forschung gehen.
Die grundlegende Fragen „Wie wirkt Yoga?“ „Wirkt Yoga überhaupt? Gibt es einen Unterschied zu z.B. Gymnastik oder anderen Bewegungsangeboten?“ oder „Warum wirkt Yoga?“ werden genauso zu beantworten versucht wie spezifische Auswirkungen von Yoga auf Psyche, bestimmte Organe oder einzelne Gelenke.

Außerdem finden mittlerweile regelmäßig Kongresse statt, wie zum Beispiel in Final oder in Bad Meinberg, auf denen sich Forschende und Lehrende zum Thema Yoga austauschen können. Speziell zu therapeutischen Anwendungen von Yoga und Yoga für Menschen mit Behinderung findet zum Beispiel die Accessible Yoga Conference statt, 2018 in Toronto und hoffentlich irgendwann auch in Europa. Um Achtsamkeit, Yoga, und Stress(bewältigungs)Forschung und deren Anwendung am Patienten geht es zum Beispiel auf der Mind Body Medicine Summer School in Essen.

Inzwischen existieren zahlreiche Studien, sowohl aus den USA als auch aus dem deutschsprachigen Raum, die die positive Wirkung von Yoga auf Körper und Geist nachweisen.
In einigen Studien wurde der Schwerpunkt auf die Wirksamkeit der körperlichen Praxis, der Asanas gelegt.

Yoga gegen Rückenschmerzen

So konnte ein Forscherteam des Boston Medical Centers nachweisen, dass Yoga zur Behandlung von Schmerzen des unteren Rückens genauso wirksam ist wie Physiotherapie.
Dafür wurden 320 PatientInnen zufällig in 3 unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe nahm über 12 Wochen wöchentlich an einer Yogastunde teil, eine Gruppe erhielt wöchentlich 60 Minuten Physiotherapie und die dritte Gruppe erhielt ein Lehrbuch und regelmäßige Newsletter mit Tips zur Selbsthilfe. Mit Hilfe eines speziellen Fragebogens (Roland and Morris Disability Questionnaire) wurden die TeilnhmerInnen zu ihren Beschwerden und den daraus. Resultierenden Einschränkungen befragt. Am Ende zeigte sich, dass nach Abschluss. Der Studie die Teilnehmer der Yoga-Gruppe und der Therapiegruppe signifikant weniger Schmerzmittel eingenommen haben als die TeilnehmerInnen aus der Kontrollgruppe.

Yoga gegen Nackenschmerzen

Für eine Studie zur Wirksamkeit von Yoga bei Chronischen Nackenschmerzen von H. Traitteur an der Charité Berlin nahmen die Patientinnen 9 Wochen lang an wöchentlichen Iyengar- Yogastunden teil. Eine Vergleichsgruppe absolvierte im gleichen Zeitraum andere Übungen für den Nacken. Nach 4 und nach 10 Wochen wurden die TeilnehmerInnen mit einem Fragebogen zu Schmerzen, Lebensqualität, Beeinträchtigungen, Stimmung und Angst befragt.
Dabei zeigte sich, dass Yoga zu einer deutlichen Senkung der Schmerzen sowie zu einer Verbesserung von Stimmung, Angst und Lebensqualität führte.

PD Dr. Holger Cramer von der Universität Duisburg-Essen konnte in einem Review (eine wissenschaftliche Arbeit, bei der die Ergebnisse mehrerer Studien ausgewertet, verglichen und zusammengefasst werden) mehrerer Studien über die Wirksamkeit von Yoga bei chronischen Nackenschmerzen feststellen, dass die regelmäßige Yogapraxis zu einer Verbesserung von Nackenschmerzen führt. Alle ausgewerteten Studien zeigten, dass. Yoga. Zu. Einer Verminderung von Schmerzen und körperlichen Beeinträchtigungen und zu einer Verbesserung der Stimmung und Lebensqualität führt. Daraus kann man schließen, dass Yoga eine empfehlenswerte Therapiemaßnahme gegen chronische Nackenschmerzen ist.

Herr Cramer war im Sommer auch so freundlich, mir einige Interview-Fragen zum Thema therapeutisches Yoga zu beantworten. Diese sehr spannenden Antworten könnt ihr dann im nächsten Artikel lesen, während ich mich am kommenden Freitag auf den Weg nach Yogakongress mache.

Wer mir auf Instagram folgt hat es bestimmt schon gelesen, dass ich meine Arbeit mit und um Medizin und Yoga gerne am Europäischen Kongress für Physikalische Medizin und Rehabilitation in Vilnius im Mai präsentieren würde. Eine Zusammenfassung habe ich vor einigen Tagen eingereicht, jetzt wird sie von unterschiedlichen Wissenschaftlern und Professoren gelesen, die dann entscheiden, ob eine Präsentation möglich ist. Was dabei herausgekommen ist, erfahre ich am 20. Dezember.

Viel Freude bei der theoretischen und praktischen Erforschung der Wirkungen von Yoga wünscht Dir,
Marion

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