Mala Beads – 108 Perlen zur Entspannung

In den letzten Tagen ging es hier turbulent zu, also nicht hier am Blog sondern im Real Life. Ein sehr gelungener Yogaabend in der Praxis und ein Vortrag auf der Yogaworld in München füllten meine Freizeit aus, doch dazu später mehr.

Heute hat nämlich Katrin von Coco-and-lime.com einen Gastartikel für euch vorbereitet:

Mala Beads – 108 Perlen zur Entspannung

In der heutigen Zeit hat Yoga mittlerweile einen festen Platz im Leben vieler Menschen eingenommen. Das Zusammenspiel von körperlicher und geistiger Praxis tut uns gut und stärkt uns für die Anforderungen des Alltags. Eine Komponente, die vielen Menschen im Gegensatz zur physischen Asana-Praxis aber schwer fällt, ist die Sache mit der Meditation. Obwohl die bewusste Entspannung des Geistes bekanntermaßen viele Vorteile mit sich bringt, fällt es den meisten von uns schwer, eine regelmäßige Meditationspraxis zu kultivieren. Kein Wunder: für den modernen Menschen mit seinem Alltagsbewusstsein, das auf ständige Aufmerksamkeit und Bereitschaft konditioniert ist, ist es eine große Herausforderung, einige Minuten einfach nur still dazusitzen und nichts zu tun. Die klassischen Meditationstechniken der Yogalehre erscheinen in diesem Licht oft nicht passend und nur schwer anwendbar.

Ein Hilfsmittel, das in diesem Zusammenhang Abhilfe schaffen oder zumindest unterstützen kann, ist eine sogenannte Mala.

Malas (Sanskrit für „Girlande“ oder „Kranz“) sind Ketten aus 108 Halbedelstein-, Holz- oder Samenperlen, die in vielen spirituellen Traditionen für Meditation und Gebet verwendet werden. Ähnlich wie der christliche Rosenkranz dient die Mala als Zähl- und Konzentrationshilfe und wird oft in Verbindung mit laut ausgesprochenen Affirmationen oder Mantras für sogenannte Japa-Meditationen verwendet. Viele Yogis platzieren ihre Mala auch auf der Yogamatte und nutzen sie als Drishti, also als visuellen Fokuspunkt während der Asana-Praxis.

108, eine magische Zahl

Eine klassische Mala besteht aus 108 Perlen. Die Zahl 108 hat eine besondere Bedeutung für Malas. Die 1 steht für das Göttliche oder das höhere Bewusstsein, die 0 für die Unvoreingenommenheit und Offenheit, mit der man seine spirituelle Praxis beginnt, sowie für den Kreislauf allen Lebens, und die 8 symbolisiert die Unendlichkeit und Ewigkeit. Die Zahl 108 hat in vielen kulturellen Traditionen eine besondere Bedeutung, und man sagt von ihr, sie symbolisiere die Gesamtheit der Existenz und des ganzen Universums. Die Interpretationen sind mindestens so zahlreich wie die Perlen einer Mala selbst, und fanden seit jeher Anwendung in den verschiedensten Wissensdisziplinen – von der Mathematik und Astronomie bis hin zur Architektur und Medizin. 

108 ist eine sogenannte Harshad-Zahl (in Sanskrit bedeutet das eine glücksbringende Zahl): eine Zahl die durch die Summe ihrer Ziffern teilbar ist. In der Astronomie verbindet die Zahl 108 Sonne, Mond und Erde auf vielfältige Weise: der Durchmesser der Sonne ist 108 mal so groß wie der der Erde, und außerdem 108 mal so lange wie die Distanz zwischen Erde und Sonne. Ähnlich verhält es sich mit Mond und Erde: multipliziert man den Durchmesser des Mondes mit 108, ergibt das den Abstand zwischen Erde und Mond. Man sagt, 108 Energielinien (nadis) führen im Herz-Chakra zusammen. Im Ayurveda kennt man 108 heilige Punkte (marmas) im Körper, an denen die Lebensenergie zusammenfließt. Weiters gibt es 108 bekannte Upanishaden, überlieferte Schriften der alten Weisen, 108 Arten der Meditation, 108 heilige Stätten in Indien, 108 Formen indischen Tanzes, und 108 Stufen, die zu den Schreinen geheiligter Tempel hinauf führen. Manche Legenden erzählen sogar von indischen Sadhus (religiösen Asketen), die sich in so tiefe Meditation versetzen konnten, dass sie mit lediglich 108 Atemzügen am Tag auskamen.  

Bis zum heutigen Tage ist die Mystik und Relevanz der 108 tief in der indischen Kultur verwurzelt. Denn sollte man jemals während einer Indienreise in die wenig wünschenswerte Situation kommen, medizinische Hilfe zu benötigen, macht sich das Wissen um die heilige Zahl ebenfalls bezahlt: 1-0-8 ist die nationale Notrufnummer.  

Im Kontext der Yoga-Praxis kommt der Zahl 108 besondere Bedeutung zu, mit der viele Yogis vertraut sind, wenn sie – meist zweimal im Jahr jeweils zu den Sonnenwenden – 108 Sonnengrüße praktizieren. Dieses Ritual dient der Ehrerbietung an die Energie der Sonne und als Danksagung für die eigene Praxis.

Man muss aber nicht religiös oder spirituell sein, um einen positiven Nutzen aus der Verwendung einer Mala ziehen zu können. Wenn das Ziel ist, Körper und Geist bewusst zu entschleunigen und zu entspannen, kann eine Mala dabei helfen.

Selbstverständlich können Malas auch einfach als hübsches Schmuckstück im Alltag getragen werden. Im Alltag getragen sind Malas wunderbare Erinnerungshilfen an die Intention, die in sie gesetzt wurde. Die Intention ist gewissermaßen die Signatur der Mala, der gute Vorsatz, der mit ihrer Hilfe verwirklicht werden soll. Die Edelsteinarten und sonstigen Materialien, aus denen eine Mala gemacht ist, unterstützen diese Intention noch zusätzlich. Zum Beispiel hilft Rosenquarz dabei, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, Achat sorgt für mehr Stabilität und Erdung, und Mondstein stärkt die Intuition und Kreativität.

Die Meditation mit der Mala

Ihre beste Wirkung entfalten Malas aber, wenn man sie als Hilfsmittel für Meditation und Innenschau verwendet. Ich persönlich benutze meine Mala am liebsten, indem ich sie während der Meditation in der Hand halte und für jede Perle einen tiefen und bewussten Atemzug nehme. Bei 108 Perlen dauert das ungefähr 15 Minuten – die perfekte Zeitspanne für Meditationsanfänger und Menschen, die sich sonst schwer tun, ihren Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Dabei macht man sich die Eigenschaft des Gehirns zunutze, durch das Konzentrieren auf Zahlenreihen in Kombination mit der repetitiven Handbewegung, mit der die Perlen durch die Finger gleiten, in einen meditativen Zustand zu gleiten.

Atemtechniken und das Wiederholen von Zahlenfolgen sind seit langer Zeit als probate Formen des Mentaltrainings und der geistigen Entspannung bekannt. Sie verbessern Fokus und Konzentration, indem sie dem Meditierenden dabei helfen, die Gedanken trotz aller Ablenkungen immer wieder sanft zurück zum Zählen zu lenken. Am Anfang sind es vielleicht nur 10 oder 20 Atemzüge/Mala-Perlen, über die der Fokus aufrecht erhalten werden kann. Mit der Zeit werden es aber immer mehr werden, bis man die entspannte Geisteshaltung schließlich über die gesamten 108 Mala-Perlen aufrecht erhalten kann.

 Wie kommt man nun an eine Mala,

um ihre positive Wirkung bei der Meditation ausprobieren zu können? Heutzutage muss man nicht mehr nach Indien oder Südostasien reisen, um dort eine traditionell hergestellte und geweihte Mala zu erstehen und von ihrer Wirkung profitieren zu können. Es gibt mittlerweile auch zahlreiche talentierte Mala-Macher in hiesigen Regionen, bei denen man Malas erwerben oder sogar im Rahmen von Workshops selbst knüpfen kann. Bei der Auswahl lässt man sich am besten von der Intuition leiten– meistens ist die innere Stimme genau der richtige Ratgeber, wenn es um die Wahl eines so wertvollen persönlichen Talismans geht.

Bei der Meditation selbst verlässt man sich am besten ebenso auf das eigene Gefühl. Ob man nun über volle 108 Zyklen meditiert oder weniger, ob mit oder ohne Mantra, oder ob man einfach nur etwas mehr innere Ruhe in den Alltag bringt, indem man seine Mala bei sich trägt – es gibt kein Richtig und kein Falsch! Gut ist, was auch immer sich stimmig anfühlt.

Katrin Flatscher ist promovierte Molekularbiologin, Yogalehrerin, Bloggerin und passionierte Mala-Macherin. Ihre Texte, kreativen Ideen und Mala-Werke sind auf www.coco-and-lime.com zu finden, wo man mehr Einblick in ihre Kunst, ihren Yoga-Weg und andere Herzensprojekte gewinnen kann. 

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